RAHMENKONZEPTION FÜR EINE HUMANISTISCHE PÄDAGOGIK IN KINDERTAGESEINRICHTUNGEN

sowie anderen Feldern sozialpädagogischer Arbeit

 

Der Kindergipfel 1991 formulierte: Die Kinder haben das Recht auf eine Zukunft in Frieden, auf eine Welt mit sauberem Wasser, reiner Luft und gesunder Natur. Leben ist wichtiger als Geld.
Die Erwachsenen erwarten im Alter von den Kindern Rücksicht. Die Kinder erwarten von den Erwachsenen Vorsicht für ihre Zukunft. Wir sind eine Welt!
Im Januar 2012 trat das neue Bundeskinderschutzgesetz in Kraft. Es verpflichtet sämtliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe zur kontinuierlichen Qualitätsentwicklung sowie zur Entwicklung, Anwendung und Überprüfung von Standards zur Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen und ihren Schutz vor Gewalt. Im Jahr 2015 stellten wir dazu ein umfassendes Schutz- und Partizipationskonzept fertig, dass fortan eine weitere Grundlage unserer täglichen Arbeit darstellt.

 

1. Wir achten die Grundbedürfnisse des Menschen und die humane Gesellschaft

Eine humanistische Erziehung orientiert sich an den Grundbedürfnissen des Menschen und den daraus folgenden Werten für eine humane Gesellschaft.

Darum gilt für alles Wirken des Vereins: Der Mensch steht im Mittelpunkt.

Darum legt der Zwickauer Kinderhaus-Verein insbesondere Wert auf
- die Akzeptanz und Achtung der Individualität und Einmaligkeit jedes Menschen,
- geistige Freiheit und Toleranz,
- Gewaltfreiheit,
- Förderung und Verwirklichung von Kreativität und Fantasie,
- Gleichheit und Gerechtigkeit im sozialen Miteinander,
- Gefühle der Geborgenheit und menschliche Nähe,
- Verwurzelung des Menschen durch Wahrung und Pflege von Vertrautem und von Traditionen

2. Das ganzheitliche Menschenbild prägt unser Denken und Handeln

Humanistische Erziehung hat ein ganzheitliches Menschenbild zur Grundlage. Der Mensch ist eine Einheit aus Körper, Seele und Geist. Diese Ganzheit des Menschen findet in der pädagogischen Arbeit des Vereins ihren Ausdruck in der bewussten Berücksichtigung der Bedürfnisse aller drei Wesensteile.
Humanistische Erziehung arbeitet der Entfremdung des Kindes von seinem Körper und seiner Seele entgegen und unterstützt in vielfältiger Weise die ganzheitliche Gesundheit der Kinder.

Darum legt der Zwickauer Kinderhaus-Verein insbesondere Wert auf
- die ganzheitliche Entwicklung von Körper, Seele und Geist,
- Lernformen und Methoden, die nicht ausschließlich kognitiv geprägt sind, sondern ganzheitliche Lern- und Erfahrungsprozesse fördern.

3. Humanistische Pädagogik ist für uns Sozial-Pädagogik

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Die Prozesse seiner Entwicklung werden wesentlich geprägt durch die Begegnung mit anderen Menschen und der lebendigen Natur. Pädagogik muss darum in die vielfältigen Beziehungsfelder zwischen Menschen und natürlicher Umwelt hineinführen und diese Felder bewusst schaffen.

Durch Einbindung in die Familie und die Kindertagesstätten, durch vielfältige Rollen- und Verhaltensvorbilder der (arbeitenden) Erwachsenen und älteren Kinder sowie durch das Zusammenleben in der Gruppe lernt das Kind soziales Verhalten in sozialer Verantwortung. Dieses Lernen geschieht kindgemäß über Vorbild und eigene Erfahrung und weniger über intellektuelle Bewusstmachung.

Darum legt der Zwickauer Kinderhaus-Verein insbesondere Wert auf
- die Begegnung mit lebendigen Menschen und der lebendigen Natur – diese hat den unbedingten Vorrang vor dem Umgang mit totem Material, leblosen Medien und abstraktem Wissen,
- die liebevolle Zuwendung der Erwachsenen hin zu jungen Menschen, um so deren Beziehungs- und Liebesfähigkeit zu fördern und damit das Fundament zu schaffen für die Entwicklung einer starken, verantwortungsbewussten Persönlichkeit.

4. Freiheit und Verantwortung wollen wir nicht trennen

Erziehung soll der Entfaltung eines freien, selbstständigen Menschen dienen, der zugleich seine soziale Verantwortung in der menschlichen Gesellschaft wahrnimmt.

Darum legt der Zwickauer Kinderhaus-Verein insbesondere Wert auf
- Angebote zur Wertorientierung,
- Angebote positiver emotionaler Erfahrungen,
- die Vorbildwirkung in Fragen eines verantwortungsvollen menschlichen Miteinanders,
- das pädagogische Ziel eines reifen, freien, selbstverantwortlichen und sozial handelnden Menschen.

5. Wir achten auf das Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz

Eine humanistische Erziehung fördert eine aktive und eigenverantwortliche Begegnung mit Menschen und Dingen der Umwelt und achtet zugleich auf die Erfüllung der kindlichen Bedürfnisse. Dabei sind die Bedürfnisse nach Kontakt, Nähe, Geborgenheit und Beachtung im gleichen Maße wahrzunehmen und zu erfüllen, wie die nach selbstständigen Entdeckungen (Neugier) und nach Bewegungsfreiheit. Die einfühlsame Wahrnehmung und Erfüllung dieser Bedürfnisse und ihrer Spannung von Nähe und Distanz kann zugleich heilende Wirkung bei seelischen Belastungen von Kindern haben.

Darum legt der Zwickauer Kinderhaus-Verein insbesondere Wert auf
- die Beachtung der besonderen entwicklungspsychologisch zu differenzierenden Bedürfnisse junger Menschen,
- die prägende Bedeutung menschlicher Urerfahrungen (Urvertrauen, Geborgenheit).

6. Wir haben Raum und Zeit

Humanistische Erziehung im Sinne des Vereins lässt den jungen Menschen Raum und Zeit für ihre Entwicklung. Sie ist sich der Bedeutung des intimen Raumes, der Schutz und Ruhe bietet, sowie des weiten Raumes, der einlädt zu einer unendlichen Vielzahl neuer Entdeckungen, bewusst und legt darum besonderen Wert auf innen- und außenarchitektonische Gestaltungskonzepte. Und sie kennt die langfristigen Folgen von körperlichem, seelischem und intellektuellem Gehetztwerden (Stress) und berücksichtigt darum die besonderen Bedürfnisse des Kindes nach Ruhe, Wiederholung und Ausgeglichenheit in seinen verschiedenen Entwicklungsphasen.

7. Inhaltliche Schwerpunkte in der Vorschulpädagogik

a) Das freie Spiel

Das freie Spiel ist der Weg des Kindes, die Welt und das Leben in seinem Facetten-Reichtum kennenzulernen. Dieses Spiel zu schützen und zu fördern sieht der Zwickauer Kinderhaus-Verein als zentrale Aufgabe seiner Arbeit in Kindertageseinrichtungen.

b) Kunst als wesentliches Ausdrucksmittel des Menschen

Die Entfaltung der seelischen, musischen und schöpferischen Kräfte junger Menschen ist bedeutsamer Bestandteil der Persönlichkeitsentwicklung. Diese soll darum in allen musischen Bereichen – Musik, Tanz, Theater und Literatur, bildnerisches und plastisches Gestalten – gefördert werden.

c) Der Mensch als Teil der Natur

Da der Mensch Teil der Natur ist, muss humanistische Pädagogik heute immer auch ökologische Pädagogik sein. Der Erwachsene, dessen ökologisches Bewusstsein vorbildhaft für den jungen Menschen zum Ausdruck kommt, ist dabei unverzichtbar, wenn der junge Mensch in seiner Liebe zur Natur gefördert werden soll. Zugleich muss die natürliche Umwelt zum Erlebnis- und Erfahrungsfeld werden, in dem die Begegnung mit lebendigen Tieren und Pflanzen anhaltend möglich ist.

d) Alltagsorientierung

Der Alltag ist ein wichtiges pädagogisches Lernfeld. Alltägliche Verrichtungen wie Kochen, Backen, Putzen, Werken dürfen in der Vorschulpädagogik von den Kindern nicht ferngehalten, sondern müssen für sie aktiv erlebbar werden. So werden sie in den „handfesten“ Alltags- und Werkfähigkeiten gefördert und in ihrem Erfahrungsschatz um Wesentliches bereichert.
Alltagsorientierung ist darüber hinaus stets auch Gemeinwesenorientierung. Menschen im alltäglichen Umfeld und bei ihren alltäglichen Verrichtungen (Einkaufen, Telefonieren, in öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein, beim Arbeiten und Ruhen) sollen als Mitmenschen erfahrbar werden.

8. Pädagogische Vielfalt

Die humanistische Pädagogik des Kinderhaus-Vereins setzt sich bewusst mit anderen pädagogischen Ansätzen und Konzepten auseinander und entwickelt ihr eigenes pädagogisches Konzept prozesshaft weiter. „Der Weg ist das Ziel.“

Darum legt der Zwickauer Kinderhaus-Verein insbesondere Wert auf
- die Auseinandersetzung mit pädagogischen Konzepten, wie z. B. der Reggio- oder Waldorf-Pädagogik, dem situationsorientierten Ansatz, den Grundideen Fröbels u. a.,
- die Auseinandersetzung mit der Bindungstheorie, dem Konstruktivismus, der systemischen Beratung und Therapie u.a.,
- die Einbeziehung anderer Wissenschaften und Wissenschaftsbereiche in die konzeptionelle und pädagogisch-praktische Arbeit, wie z. B. Psychologie, Medizin, Ethnologie, Anthropologie und Ethik.

9. Handlungsleitlinien für die Arbeit des Zwickauer Kinderhaus-Verein e.V. und seiner Einrichtungen

Liebe zum Menschen, insbesondere zu Kindern und Jugendlichen, Lebendigkeit, Vielfalt, Hoffnung, Humor und das Vertrauen auf die eigenen Kräfte und Ideen prägen unsere Arbeit.

Jede/r MitarbeiterIn unterschreibt den von uns erarbeiteten und im Schutz- und Partizipationskonzept verankerten Verhaltenskodex. Darüber hinaus gelten für uns folgende grundlegende Handlungsleitlinien:

1) Der Mensch und seine humanen Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt der Betriebsphilosophie.
2) Wir wollen mit Hand, Herz und Kopf arbeiten.
3) Alle MitarbeiterInnen verpflichten sich, schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen ein erster Ansprechpartner zu sein.
4) Toleranz, freie Meinungsäußerung und gegenseitige Achtung der Andersartigkeit und Besonderheit jedes Menschen kennzeichnen die Atmosphäre des Betriebes.
5) Die Kreativität und die persönlichen Stärken der MitarbeiterInnen sind gefragt und werden gefördert.
6) Die MitarbeiterInnen des Vereins erhalten jede mögliche Förderung durch Fortbildung, Praxisberatung, Inter- und Supervision.
7) Der Verein unterstützt die Erhaltung der Gesundheit seiner MitarbeiterInnen durch konkrete Angebote.
8) Kreative Problemlösungen haben Vorrang vor destruktiver Kritik und Resignation.
9) Wir praktizieren Teamarbeit und kooperative Führungsstile statt Rivalität und Hierarchie.
10) Wir reden offen, ehrlich und direkt miteinander. Wir reden miteinander und nicht übereinander.
11) Neue Wege zu gehen ist ebenso notwendig wie alte Traditionen zu wahren. Wir arbeiten kontinuierlich an der Qualität unserer Angebote.
12) Wir wollen Probleme lösen - nicht Schuldige suchen.
13) Sich ändern ist erlaubt und braucht Zeit.
14) Fehler können passieren – wir stehen dazu und lernen daraus. Wir begrüßen interne und externe Hinweise auf Verbesserungspotentiale.
15) Improvisieren ist unsere Stärke.
16) Sparsamkeit und Bescheidenheit sind für uns unverzichtbare Werte.
17) Materielle Werte und eine effiziente Verwaltung sind Diener für unsere humanen Ziele und nicht Herrscher.
18) Eine ökologische Betriebsführung soll das ökologische Bewusstsein der MitarbeiterInnen schärfen.

 

Rahmenkonzeption Version: 5
03.02.2016

Unsere Vereinsarbeit wird durch die in der Satzung festgelegten Organe gesteuert. Das Zusammenspiel der einzelnen Organe wird in diesem Organigramm verdeutlicht.

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